Leitwolf

Führen und Angst

By 29. November 2018 No Comments

Wenn Du als Leitwölfin oder Leitwolf ein Team oder eine ganze Firma führst, dann willst Du Erfolg und Spass. Dazu musst Du täglich Entscheidungen treffen und von Anderen treffen lassen. Wenn Du Entscheidungen triffst, willst Du natürlich immer eine gute, möglichst die beste Entscheidung treffen. Aber wir sind nun mal alle Menschen, und Menschen machen Fehler. Manchmal stellt sich im Nachhinein heraus, dass es eine bessere Entscheidung gegeben hätte als die, die Du getroffen hast. 

Besonders im Zusammenhang mit Entscheidungen haben manche Führungskräfte Angst, Angst vor Fehlern, Angst davor, die Erwartungen Anderer zu enttäuschen. Als gute Leitwölfin und als guter Leitwolf hast Du auch Angst. Du lässt Dich aber durch Deine Angst nicht davon abhalten, trotzdem das Richtige zu tun.

Aber wie macht man das, führen und Angst reduzieren?

Stell Dir folgende Fragen:

1. Haben Deine Teammitglieder ein Bewusstsein für Angst?
2. Reduziert Ihr Angst auf ein niedriges Niveau?
3. Leben alle angstfreies Führen vor?

Hier einige Tipps:

1. Bewusstsein für Angst

Wenn Du als Leitwölfin oder Leitwolf führst, mache Dir zuerst bewusst, dass jeder Mensch Angst hat. Angst vor Fehlern, weil sie vielleicht schon einmal negative Erlebnisse hatten mit Fehlern. Andere haben Angst vor der Macht Deiner Rolle. Sie wissen, dass Du sie befördern oder im schlimmsten Fall auch entlassen könntest. Und das macht Manchem mehr Angst, als Dir bewusst ist. Mache es Dir bewusst. Auch wenn Du glaubst, gut und respektvoll zu führen, oft ist Angst im Unternehmen und vielleicht auch in Deinem Team.

Also: Bewusstsein für Angst schaffen.

2. Fragen statt Vorschlagen

Um erfolgreich zu führen, forciere Diskussion und konstruktiven Konflikt in der Sache. In einem spannenden Aufsatz im Harvard Business Review haben David A. Garvin und Michael A. Roberto zwei verschiedene Arten von Entscheidungen beschrieben – Vorschlag oder Frage. Im einen Fall ist wichtig, wer Recht hat, im anderen zählt mehr, was richtig ist.
Wenn einer einen Vorschlag macht, dann kann eine Wettbewerbssituation entstehen, in der der Vorschlagende unbedingt überzeugen will, dass er Recht hat und seine Position verteidigt. Er spielt die Nachteile des Vorschlags herunter, blendet Ansichten von Minderheiten aus und schafft Sieger und Verlierer im Team.
Wenn aber stattdessen der Entscheidungsprozess durch gute Fragen gestartet wird, dann wird wirklich zusammen gearbeitet an Tests und Bewertungen. Argumente werden ausgewogen dargestellt, alle bleiben offen für Alternativen und akzeptieren sachliche Kritik an ihrer Position. Die Meinung von Minderheiten wird wertgeschätzt und es entsteht schliesslich eine gemeinsam getragene Position. Aus diesem Prozess entstehen oft viel bessere und viel schnellere Entscheidungen, die von allen mitgetragen werden und deshalb auch gut und zügig umgesetzt werden. Ihr kriegt bessere Ergebnisse und deutlich schneller.
Der Schlüssel dabei ist, den sachlichen Konflikt intensiv auszutragen und emotionale Konflikte zu vermeiden. Schaffe dazu Transparenz über die Optionen und ihre Auswirkungen. Sorge dafür, dass alle Beteiligten ihre Meinung aussprechen und sich dabei gehört und ernstgenommen fühlen.
Sprich die „hilfreiche Cassandra“ an, die Person, die dafür bekannt ist, die harten Fragen zu stellen und frische neue Perspektive in eine Diskussion zu bringen.
Und fordere intellektuelle Komplettheit: Keine Entscheidung hat nur Vorteile. Jede Entscheidung hat auch Nachteile. Bitte Deine Leute aktiv darum, auch die Nachteile ihrer Vorschläge zu benennen und vorzuschlagen, wie sie diese Nachteile selber managen werden.

Also: Fragen statt Vorschlagen.

3. Allen aufmerksam zuhören

In einer gross angelegten Studie ist Google seit 2014 der Frage nachgegangen, was Teams erfolgreich macht. Zunächst hatten die Projektleiter die Hypothese, erfolgreiche Teams könnten dann entstehen, wenn die Teammitglieder einander mögen oder einander sehr ähnlich sind. Dann untersuchten sie andere Faktoren zur Komposition der Teams, konnten aber keinerlei Korrelation feststellen zwischen Merkmalen der Teammitglieder und Teamerfolg.
Dann untersuchten sie, wie die Teams interagierten, und plötzlich wurde alles klarer. Denn die Projektleiter fanden heraus, dass die Frage, wer im Team ist viel weniger bedeutsam ist als die Art und Weise, wie das Team interagiert. Egal ob die Teammitglieder alle ähnlich oder sehr verschieden waren, ob sie Freunde oder Feinde waren, so lange sie einander auf eine ganz bestimmte Weise behandelten, waren sie erfolgreich. Die Forscher fanden zwei besonders wichtige Faktoren für den Erfolg des Teams: Redezeit und Aufmerksames Zuhören.
Wenn alle Teammitglieder etwa gleich viel Zeit in Meetings reden, und wenn andere Teammitglieder aufmerksam zuhören und z.B. das Gehörte wiederholen oder den Laptop schliessen und sich dem Anderen offen zuwenden, dann hat das Team eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein.
Diese zwei Arten zu kommunizieren lassen bei allen ein Gefühl der psychologischen Sicherheit entstehen. Diese psychologische Sicherheit zeigte die grösste Korrelation mit dem Erfolg des Teams. Die Teammitglieder fühlen sich sicher, angstfrei auch solche Dinge zu sagen, die auf der Sachebene sehr kontrovers sind.
Wenn Du erfolgreich führen willst, musst Du die Angst aller Beteiligten soweit reduzieren, dass in  Deinem Team sehr viele richtige Entscheidungen getroffen werden und alle Mitarbeiter mutig ehrlich ihre Meinung einbringen, auch und gerade wenn sie sehr kontrovers ist.

Also: Allen aufmerksam zuhören

4. Aus Fehlern lernen

Sei Du ein gutes Vorbild für Führen ohne Angst. Teile den Anderen Deine grössten Fehler mit und sage, wie Du sie zukünftig vermeiden willst. Wenn es einmal schlecht läuft und Fehler passieren, dann übernimm Du als Leitwölfin bzw. als Leitwolf gegenüber Dritten die Verantwortung für die Fehler Deines Teammitgliedes. Danach führe ein gutes Einzelgespräch und frage Dein Teammitglied stressfrei danach, wie er die Sache sieht, wie der Fehler entstand und wie er ihn zukünftig verhindern wird. Das nimmt Angst, ermöglicht Lernen und steigert künftige Chancen.

Also: Aus Fehlern lernen

Zusammengefasst meine 4 besten Tipps für Dich für Führen und Angst:

1. Bewusstsein für Angst
2. Fragen statt Vorschlagen
3. Allen aufmerksam zuhören
4. Aus Fehlern lernen

Ich hoffe dieser Blog hat Dir den einen oder anderen wertvollen Impuls gegeben, über Dein eigenes Führungsverhalten gegenüber Deiner Chefin und Deinen Kollegen und Mitarbeitern neu nachzudenken. Ich danke Dir für Deine Zeit und freue mich auf den weiteren Austausch mit Dir.

Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit,
Dein Leitwolf Stefan Homeister