Leitwolf

Führen mit gutem Denken

By 13. März 2019 No Comments

Heute geht es darum wie Du Denkfehler erkennst und vermeidest – Deine eigenen und die Deiner Vorgesetzten, Mitarbeiter und Kollegen. Denn ohne klares Denken hast Du keine Chance auf Erfolg. Nur wenn Dein Team und Du möglichst viele Dinge richtig entscheiden, kannst Du als Leitwölfin oder als Leitwolf Dein Rudel zu Erfolg und Spass führen. Und dazu brauchst Du gutes Denken, auch und gerade unter Druck.

Einen grossen Denkfehler mach ich selber jeden Tag. Ich bemühe mich zwar darum ihn seltener und kleiner zu machen, aber er passiert mir immer wieder.
Ich treffe Annahmen. Die erste Annahme, die ich treffe ist, dass andere Menschen so ähnlich ticken wie ich. Leider meistens falsch. Die zweite Annahme, die ich treffe ist, dass wenn Du und ich auf dasselbe schauen, dass wir auch dasselbe wahrnehmen. Das ist leider auch falsch. Ich versuche diesen Fehler möglichst immer kleiner zu machen, aber er begegnet mir immer noch wieder.
Also Denkfehler vermeiden? Leicht gesagt.

 

Wie mache ich das „Führen mit gutem Denken“?  Hier meine drei allerbesten Tipps für Dich:

 

1. Mach Dir Deine Denkfehler bewusst

 

Wir alle machen Denkfehler. Das schwarze Loch der Annahmen ist mein grösster.
Im Geschäftsleben ist mir häufig der begegnet, der heisst „Sunk Cost“, oder „versunkene Kosten“. Gerade in wirtschaftlichen Teams, die geschäftlichen Erfolg produzieren wollen, wird häufig eine Entscheidung darauf getroffen, was man bereits investiert hat, in der Vergangenheit. So nach dem Motto: „Stefan, das Projekt müssen wir unbedingt weitermachen. Wir haben ja schon soviel Geld investiert.“ Oder auch in privaten Beziehungen, in denen man sagt: „Ich muss diese Beziehung unbedingt weiterführen. Ich habe schon so viel Herzblut in diese Beziehung investiert.“ Das ist zwar einerseits verständlich, aber rational führt das nicht immer zu guten Entscheidungen, sondern sogar oft zu Fehlentscheidungen. Wenn ich meinen Fokus lege auf die Vergangenheit und auf das bereits investierte, entscheide ich oft falsch. Zumindest für wirtschaftlichen Erfolg zählt die Vorteilhaftigkeit einer Entscheidung in der Zukunft und im Vergleich zu Alternativen viel mehr als das was wir in der Vergangenheit bereits investiert haben. Das ist der erste typische Denkfehler, den viele machen. Die „Sunk Cost“, versunkene Kosten.

Ein zweiter Fehler, den Führungskräfte den Menschen gerne machen, ist der sogenannte „Confirmation Bias“. Das ist die Suche nach der Bestätigung des eigenen Glaubens. Ich habe eine Idee, eine Meinung, ein Vorschlag und freue mich, wenn Leute um mich herum sagen: „Stefan, das ist gut.“ Man freut sich darüber, aber man sollte nicht nur danach suchen. Im Gegenteil, man sollte mindestens genauso intensiv danach suchen was diesen einen Glauben widerlegt. Denn gerade die Gegenmeinung, oder die Alternative, hilft mir oft mein eigenes Denken noch zu verbessern. Deswegen ganz wichtig: Mache Dir klar, jeder Vorschlag hat Vorteile, aber auch Nachteile. Beides klar zu sehen, ist meiner Meinung nach sehr wichtig für gutes Denken, Erfolg und Spass.

Eine dritte Annahme, die im selbst erlebten Geschäftsleben immer mal wieder vorkam, ist die sogenannte „Ceteris Paribus-Annahme“. Die Annahme, dass man auf einen Faktor schaut, den verändert und alle anderen Faktoren konstant bleiben. Das selbst erlebte Beispiel: Ich war einmal als Marketingdirektor verantwortlich für eine grosse, sehr bekannte Babypflegemarke. Wir haben dann in dem Jahr über das ich spreche eine neue Preisstrategie als Firma eingeführt. Ein Drittel des deutschen Lebensmitteleinzelhandels fand das gut, hat das voll mitgetragen. Das zweite Drittel des deutschen Lebensmitteleinzelhandels fand das durchwachsen und hat so ein bisschen passiv beobachtet. Und zwei große Händler fanden unsere neue Preisstrategie überhaupt nicht gut und haben begonnen uns zu boykottieren. Das betraf auch meine Marke mit einem nationalen Marktanteil von 55%. In einem Meeting mit diesem Kunden präsentiert uns der Kunde Zahlen von einem großen nationalen Marktforschungsinstitut und behauptet auf der Basis der Zahlen: „Lieber Stefan, liebes Team, ihr habt zwar eine starke Marke, aber wir haben die Vermarktung eurer Marke bei uns komplett runtergefahren. Euer Marktanteil ist bei uns nicht mehr 55 %, sondern nur noch 25 %. Wir stellen die Marke nur noch ins Regal und schaut mal, unserer eigener Anteil an der nationalen Kategorie ist dahinter sogar gewachsen.“ Und ich dachte nur: „Das gibt es doch gar nicht.“ Auf dem ersten Blick sind die Zahlen so, aber das kann einfach nicht sein. Wenn man eine so starke Marke in einem Handelsunternehmen komplett aus der Vermarktung rausnimmt, wenn man weiß, dass Shoppen für diese Marke sogar ganze Warenkörbe zwischen Händlern verschieben. Das ganze schien mir irgendwie nicht logisch. Aber die Zahlen haben das behauptet. Also, was habe ich gemacht? Ich habe mir bei uns im Haus bei meinen Kollegen den besten Marktforscher gesucht. Ein toller Mann! Wir haben uns den ganzen Tag die Köpfe zerbrochen, haben keine Lösung gefunden. Wir haben uns für den nächsten Tag wieder verabredet. Im zweiten Gespräch hat er dann die Lösung gefunden. Und zwar haben wir im Vorjahr und im Nachjahr zwei Zahlen miteinander im Vergleich gefunden, die nicht verglichen werden durften. Im Basisjahr hatte das Handelsunternehmen 10.000 Geschäfte und im zweiten Jahr, durch eine ganz große Akquisition, 12.000 Geschäfte. Natürlich geht in der Folge der Marktanteil an allen Kategorien hoch, aber dann verwässert der Effekt von der Runterziehung unserer Vermarktung. Dann habe ich Geld bekommen, habe von meinem Chef einige Tausend Euro besorgt um die Zahlen neu kalkulieren zu lassen und ganz erstaunlich als die Zahlen wirklich Äpfel zu Äpfel vergleichbar waren, konnte man erkennen, dass das Handelsunternehmen über das wir sprachen, im Folgejahr durch das Reduzieren unserer Vermarktung den eigenen Marktanteil nicht erhöht hat, sondern deutlich gesenkt hat. Wir waren alle in dieses schwarze Loch der Annahmen gefallen, nämlich dass das Handelsunternehmen vorher und nachher gleich gross war und als es korrigiert war, haben alle plötzlich klar gesehen, das stimmt nicht. Unser Kunde war zwar nicht begeistert, aber hat dann nach einem sehr kurzem Meeting angefangen unsere Marke wieder zu vermarkten.

Also Tipp Nr. 1: Mach Dir Deine Denkfehler bewusst

 

2. Das Richtige tun, nicht das Bequeme

 

Entscheidung treffen wir immer unter Unsicherheit, vorher unsicher unklar was richtig ist.
Theoretisch könntest Du auch jede getroffene Entscheidung zu jedem Zeitpunkt wieder korrigieren und die Konsequenzen akzeptieren. Aber oft verhalten wir uns eben nicht rational, weil wir glauben z.B. Korrigieren wäre eine Kapitulation. Also bleiben wir lieber bei dem einmal eingeschlagenen Weg. Wir glauben manchmal Konsistenz sendet das bessere Signal nach aussen, auch wenn rational betrachtet eine Veränderung richtig ist.

Ganz spannend ist auch das, was ich in meiner Arbeit mit Steve Jobs gelernt habe, im Nachdenken über ihn und ich hatte einmal die Ehre ein Tag mit ihm persönlich zu arbeiten, ist mir immer wieder klar geworden wie Steve Jobs geführt und gedacht hat. Er hat zum Beispiel immer sehr konsequent das Richtige getan und nicht das bequeme. Er hat auch mal ein sehr tolles Zitat veröffentlicht. Er sagte: „Wenn Du jeden glücklich machen willst, dann werde keine Führungskraft! Verkaufe Eiskrem.“ Ein bisschen mag man es vielleicht ein wenig arrogant finden, aber eindeutig klar in der Sache und ich glaube der sehr wahre Kern ist einfach: Du musst das Richtige tun als Leitwölfin oder als Leitwolf.

Aber wie tue ich das Richtige? Ein Weg um möglichst viele Entscheidungen zu treffen, ist möglichst gute Antworten auf folgende Fragen zu geben:

Was genau wünschen sich Deine Kunden von Deiner Firma?
Was kann Deine Firma wirklich besser als die anderen Marktteilnehmer?
Was sind die wahren wichtigsten Treiber Deines Geschäfts?
Was ist Deine Strategie?
In welchen Marktsegmenten spielst Du, in welchen nicht?

Je besser Du diese scheinbar einfachen Fragen beantworten kannst, desto besser sind Deine Entscheidungen, desto klarer kannst Du begründen, warum Dein Vorschlag richtig ist, wenn er vielleicht auch unbequem ist, er ist richtig.
Sei mutig. Klar fühlst Du Dich bei grossen Entscheidungen vielleicht manchmal unsicher, klar hast Du vielleicht vor manchen Entscheidungen Angst. Das ist gut so.
Gute Führungskräfte haben Angst, sie lassen sich nur nicht durch ihre Angst davon abhalten das Richtige zu tun.

Und ja, dann wenn Du dir sicher bist, du hast den richtigen Vorschlag, musst du natürlich noch Deine Stakeholder von Deinem Vorschlag überzeugen. Und kann durchaus manchmal schon schwer sein, besonders dann, wenn diese eine komplett andere Überzeugung haben als Du. Dann frage Dich, oder noch besser frage sie: Wie muss die Lösung aussehen, damit Du sie mittragen kannst? Was ist Dir wichtig? Und dann schaue wie Du die Gemeinsamkeiten nutzt um sie von Deinem Vorschlag zu überzeugen, aber bleib dabei.

Also Tipp Nr. 2: Das Richtige tun, nicht das Bequeme

 

3. Umgib Dich mit Leuten, die besser sind als Du

 

Ich beobachte in der Führungswelt, in der Geschäftswelt zwei völlig verschiedene Modelle, wie sich Führungskräfte verhalten. Wn nehmen diese Leute in ihre Teams? Das eine Model nenne ich: „Das Genie mit tausend Helfern“. Da es eine verantwortungsvolle Führungsrolle besetzt mit einer starken Frau oder mit einem starken Mann und diese Person holt sich tausend Helfer rein, die Ansagen kriegen, die fleissig tun was man ihnen sagt. Das macht zwar, kurzfristig betrachtet, das Führungsleben dieser Führungskräfte bequem, aber garantiert nicht maximal erfolgreich. Warum? Es fehlt Diversität. Es gibt eigentlich nur eine Meinung, nämlich die, der seniorsten Führungskraft. Deswegen mein Tipp: Mache es lieber ganz anders. Ich sehe Menschen wie z.B. Richard Brandson, oder andere, die verhalten sich völlig anders. Entwickle Du als Leitwölfin oder Leitwolf nicht braves Gefolge, das zu all Deine Ideen Ja und Amen sagt, das jede Gelegenheit nutzt, um Dir zu schmeicheln und Deinen Heiligenschein zu polieren. Nein!
Mach genau das Gegenteil! Umgib Dich mit Leuten, die besser sind als Du, die wichtige Dinge besser verstehen und besser tun als Du selbst. Du wirst nämlich nicht dafür belohnt, dass Du selber viele gute Ideen hast. Du wirst dafür belohnt, dass Dein Unternehmen die besten Ideen hat und am besten umsetzt. Und dafür brauchst Du Leute, die besser sind als Du. 

Also Tipp Nr. 3: Umgib Dich mit Leuten, die besser sind als Du

 

Insgesamt helfen mir selber diese drei Tipps, mich selbst und andere durch besseres Denken besser zu führen. Wann immer es mir gelingt, diese drei Dinge zu tun, haben unsere Kunden, unser Team und ich selbst mehr Erfolg und mehr Spass.

 

Zusammengefasst meine 3 besten Tipps für Dich für Führen mit gutem Denken:

 

1. Mach Dir Deine Denkfehler bewusst
2. Das Richtige tun, nicht das Bequeme
3. Umgib Dich mit Leuten, die besser sind als Du

 

Vielen Dank für Deine Zeit und Deine Aufmerksamkeit,
Dein Leitwolf Stefan