Erstes Jahr als Führungskraft: Was du unbedingt lernen solltest

Im ersten Jahr als Führungskraft gibt es viel zu lernen: klare Spielregeln setzen, Freiraum passend zur Aufgabe geben, ein Zielbild vermitteln und Feedback einholen. Eliah Werner, VP Brand bei Sixt, erzählt im LEITWOLF® Podcast von seinen eigenen Erfahrungen.

Im ersten Führungsjahr wirst du an Dingen gemessen, die dir niemand beigebracht hat. In Folge 529 des LEITWOLF® Podcasts spricht Eliah Werner offen über seine Anfänge als First Time Manager. Seine Erfahrungen geben dir Anregungen für deine ersten Schritte als Führungskraft.

Wie gelingt dein erstes Jahr als Führungskraft?

Dein erstes Jahr als Führungskraft gelingt, wenn du vier Dinge lernst: klare Spielregeln setzen, die Freiheit an den Reifegrad deiner Mitarbeitenden anpassen, ein Zielbild vermitteln und Feedback zu deinen Blind Spots einholen. Laut Eliah Werner, VP Brand bei Sixt, ist gutes Führen das Härteste auf der Welt und kommt nicht von allein.

Werner nennt zwei Grundlagen. Gutes Führen heißt für ihn, Menschen für einen Weg zu begeistern, sodass sie unbedingt mitlaufen wollen. Dafür brauchst du laut Werner Zeit und Raum: Zeit, Dinge zu verstehen und zu artikulieren, und Raum, damit sich dein Team entfalten kann.

Außerdem hat Führen laut Werner nichts mit Alter oder Hierarchie zu tun. Auch ein Praktikant kann Leadership zeigen. Du musst also nicht auf den Titel warten, um zu üben.

Warum solltest du neuen Mitarbeitenden nicht zu schnell zu viel Freiraum geben?

Zu viel Freiraum ohne klare Spielregeln führt dazu, dass Mitarbeitende nicht wissen, was von ihnen erwartet wird. Eliah Werner machte genau diesen Fehler als First Time Manager bei P&G. Er gab einem motivierten Mitarbeitenden Freiheit, ohne die Spielregeln zu klären, und führte ihn dadurch nicht gut.

Der junge Mitarbeitende wollte unbedingt Freiheit. Werner dachte, wer sie will, bekommt sie. Rückblickend hätte er laut eigener Aussage näher dran sein müssen. Das wäre im ersten Schritt vielleicht unbequem gewesen, hätte aber die Entwicklung verbessert.

Dein Learning: Kläre am Anfang, was gilt, welches Ergebnis du erwartest und wo du eingreifst. Ein Führungsleitbild hilft dir, diese Spielregeln festzuhalten. Danach erweiterst du den Freiraum Schritt für Schritt.

„ich habe die große Herausforderung, dass ich teilweise Leuten zu schnell zu viel Freiraum gebe, wo sie eigentlich enger geführt werden müssten“

Eliah Werner, VP Brand bei Sixt

Was ist Situational Leadership?

Situative Führung bedeutet, dass du Anleitung und Unterstützung an den Entwicklungsstand eines Mitarbeitenden bei einer bestimmten Aufgabe anpasst. Im SLII-Modell werden vier Stile unterschieden: Directing, Coaching, Supporting und Delegating. Entscheidend ist, wie viel Kompetenz und Sicherheit jemand für die konkrete Aufgabe mitbringt und welche Unterstützung er dafür braucht.

Situative Führung bedeutet, den Führungsstil an den Entwicklungsstand eines Mitarbeitenden bei einer bestimmten Aufgabe anzupassen.

Werners Fall passt zum Stil Directing: Hohe Motivation allein ersetzt noch keine Orientierung. Prüfe deshalb bei jeder Aufgabe, wie weit dein Gegenüber ist, und führe entsprechend.

Wie du Verantwortung Schritt für Schritt abgibst, liest du im Beitrag zum Delegieren.

Die vier Stile der Situational Leadership
StilPasst, wenn Mitarbeitende …Dein Verhalten
Directingneu und motiviert sind, aber noch wenig könnenAufgaben und Erwartungen klar vorgeben, eng begleiten
Coachingerste Erfahrung haben, aber unsicher sindErklären, Fragen stellen, Fortschritte besprechen
Supportingkönnen, aber Motivation oder Selbstvertrauen schwanktZuhören, bestärken, gemeinsam entscheiden
Delegatingkompetent und motiviert sindErgebnisse vereinbaren, Verantwortung übergeben

Wie bekommst du Feedback, das deine Blind Spots sichtbar macht?

Du machst Blind Spots sichtbar, indem du Feedback aktiv einholst und dein Team offen sprechen lässt. Laut Eliah Werner besteht ein Gespräch mit seinem Team teils zu 80 Prozent aus Feedback. Das tut manchmal weh, zeigt dir aber, wo deine gute Absicht anders ankam.

Werner liest viel und spricht viel mit Menschen. Sein Team sagt ihm laut eigener Aussage alles. Du denkst, du führst gut, und merkst dann, dass deine gute Absicht nicht so ankam. Genau daraus lernst du am meisten.

Dafür brauchst du aktives Zuhören. Frage nach, bevor du dich verteidigst, und probiere danach etwas anders aus.

So machst du Feedback zur Routine

  • Bitte dein Team regelmäßig um Rückmeldung zu deinem Führungsverhalten.
  • Höre zu, ohne dich zu rechtfertigen.
  • Wähle eine Sache aus und setze sie in den nächsten Wochen anders um.
  • Frage später nach, ob die Veränderung angekommen ist.

„ich möchte lernen, um zu verstehen, wo sind meine Blind Spots, die tun natürlich auch weh.“

Eliah Werner, VP Brand bei Sixt

Was bringen dir die 5 Es of Leadership und die Treue zu dir selbst?

Die 5 Es of Leadership sind Envisioning, Express, Excitement, Enable und Execute. Laut Eliah Werner helfen sie dir als Führungskraft, dich selbst und andere zu analysieren. Wichtiger als jedes Modell ist laut ihm, dir treu zu bleiben und zu wissen, wer du bist.

Werner nutzt die fünf Es als Raster für einen starken Leader. Execute ist für ihn das Einzige, was man am Ende wirklich sieht.

Zur Treue zu dir selbst nennt er Erlebnisse bei P&G. Eine Managerin fragte ihn, ob er der sei, der sein Business im Griff hat, oder der, der Witze macht. Ein VP meinte, Kreativität sei Sache der Agenturen. Werner ging trotzdem seinen Weg und fand ihn bei P&G.

Wer seinen eigenen Stil kennt, kann ihn gezielt weiterentwickeln. Im Einzelcoaching Führungsmaßanzug schärfst du genau das.

Die 5 Es of Leadership nach Eliah Werner

  • Envisioning: Du zeigst, wohin du willst, mit einem Zielbild, bei dem jeder dabei sein möchte.
  • Express: Du artikulierst, wie ihr vom Lowland ins Highland kommt.
  • Excitement: Du reißt Menschen mit.
  • Enable: Du befähigst Vorgesetzte, Kollegen und dein Team, Entscheidungen zu treffen und mitzugehen.
  • Execute: Du setzt um, denn nur das sieht man am Ende.

Fazit

Dein erstes Jahr als Führungskraft ist ein Lernjahr. Setze klare Spielregeln, bevor du Freiraum gibst. Passe deinen Stil an den Entwicklungsstand deiner Leute an. Nutze die 5 Es als Selbstcheck, bleib dir treu und hole Feedback zu deinen Blind Spots ein. Laut Eliah Werner zählen dabei Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit am meisten.

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Häufige Fragen

Welcher Fehler kann im ersten Jahr als Führungskraft passieren?

Ein typischer Fehler ist, zu früh zu viel Freiraum zu geben. Eliah Werner führte als First Time Manager einen motivierten Mitarbeitenden ohne klare Spielregeln. Rückblickend hätte er laut eigener Aussage näher dran sein müssen. Das wäre anfangs unbequemer gewesen, hätte die Entwicklung des Mitarbeitenden aber verbessert.

Was bedeutet Situational Leadership?

Situational Leadership bedeutet, deinen Führungsstil an den Entwicklungsstand deiner Mitarbeitenden anzupassen. Das Modell von Hersey und Blanchard unterscheidet Directing, Coaching, Supporting und Delegating. Du führst also nicht alle gleich. Du wählst den Stil, der zur Person und zur Aufgabe passt.

Welche Eigenschaften sind für Führungskräfte laut Eliah Werner am wichtigsten?

Laut Eliah Werner sind es Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit. Er spricht auch über Dinge, die er nicht gut kann, und schafft damit Vertrauen im Team. Als Nachteil nennt er, dass er manchmal zu viel teilt und sich dadurch angreifbar macht.

Wie holst du als neue Führungskraft Feedback ein?

Sprich regelmäßig offen mit deinem Team und frage konkret nach deinem Führungsverhalten. Eliah Werner nutzt solche Gespräche, um seine Blind Spots zu erkennen. Höre zu, ohne dich zu rechtfertigen, und setze danach eine Sache anders um.

Darf ich als junge Führungskraft Fehler machen?

Ja. Im Podcast sagt Stefan Homeister, der größte Fehler sei, keine Fehler zu machen. Wichtig ist, dass du daraus lernst. Eliah Werner bekam nach einem Fehler Rückhalt von seinem Chef, blieb mutig und vermied denselben Fehler danach.

Quellen

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