Mut in Familienunternehmen wächst aus Kultur, Erziehung und kurzen Wegen zu den Inhabern. Am Beispiel Sixt zeigt dieser Artikel, warum Inhaber bei Marke und Führung mutiger entscheiden können als Konzerne mit vielen Hierarchiestufen.
Eliah Werner ist Vice President Brand bei Sixt und war zuvor acht Jahre bei Procter & Gamble. In Folge 529 des LEITWOLF® Podcasts vergleicht er beide Welten. Sein Urteil: Ein Familienunternehmen kann bei Marke und Führung mutiger sein.
Dahinter steckt kein Zufall. Mut ist laut Werner das Ergebnis einer klaren Kultur. Du liest hier, wie diese Kultur entsteht und was du als Inhaber oder Geschäftsführer daraus ableiten kannst.
Warum ist Mut in Familienunternehmen ein Vorteil?
Am Beispiel Sixt beschreibt Eliah Werner, wie langfristiges Denken und direkte Entscheidungswege mutiges Handeln unterstützen können. Er arbeitet nach eigener Aussage unmittelbar mit den Inhabern zusammen. Daraus lässt sich eine Anregung für deine Führung ableiten: Prüfe, wo klare Zuständigkeiten und kürzere Wege deinem Team Entscheidungen erleichtern können.
Mutige Markenführung ist die Bereitschaft, bewusst aufzufallen und nicht jedem zu gefallen, damit eine Marke bei vielen Menschen im Kopf bleibt.
Sixt gibt es laut Wikipedia seit 1912. Erich Sixt übernahm die Firma 1969 mit rund 200 Autos. Laut Eliah Werner wuchs die Flotte bis 2021 auf 200.000 Autos. Sein Urteil dazu fällt klar aus.
Mut ist dabei keine Marketingidee. Laut Werner ist eine Marke immer die Reflexion der Kultur, die sie führt. Bei Sixt sprechen laut ihm CFO, COO und CBO über die Marke. Marke ist also Chefsache und nicht Sache einer Abteilung.
„Und das schaffst du nur, wenn du mutig bist.“
Eliah Werner, VP Brand SIXT
Wie wird Mut über Erziehung weitergegeben?
Mut wird in Familienunternehmen vorgelebt und erlaubt. Laut Eliah Werner passiert viel in der Erziehung, also darin, wie die nächste Generation aufwächst. Laut Werner haben Alexander und Konstantin Sixt diesen Mut miterlebt. Als Werner eine Werbung zu früh veröffentlichte, bekam er Rückendeckung vom Inhaber.
Die Szene aus der Folge: Werner veröffentlichte vor zwei Jahren eine Werbung mit einer bekannten Persönlichkeit, ohne sie abzustimmen. Die Werbung musste offline. Alexander Sixt sagte ihm laut Werner sinngemäß, er solle weitermachen.
Das prägte Werner. Es habe ihn darauf programmiert, mutig zu bleiben und den Fehler nicht zu wiederholen. Sein Schluss: Mut ist das Resultat einer starken, klaren Kultur, die die Familie über Jahrzehnte gebaut hat.
Was Inhaber für mutige Führung tun können
- Mut vorleben, statt ihn nur zu fordern
- Fehler erlauben und daraus lernen
- Rückendeckung geben, wenn etwas schiefgeht
- Eine klare Haltung zur Marke festlegen
„Ich glaube, viel passiert einfach in der Erziehung, wie man aufwächst.“
Eliah Werner, VP Brand SIXT
Wie passen langfristiges Denken und kalkuliertes Risiko zusammen?
Langfristiges Denken und kalkuliertes Risiko gehören zusammen. Laut Eliah Werner fragt Sixt, welche Organisation nötig ist, um heute, morgen und übermorgen zu gewinnen. Gleichzeitig prüft die Unternehmerfamilie laut Werner jede Investition einzeln. So entsteht Mut, der Marke und Geschäft dient und nicht auf Glück beruht.
Die Positionierung von Sixt bleibt über Jahrzehnte gleich: Bold, Fun, Premium. Laut Werner entstand sie aus der Sichtung von 40 bis 50 Jahren Werbung. Sie prägt Kampagnen und die Auswahl neuer Mitarbeitender.
Als Werner vor vier Jahren einstieg, interviewte er Erich Sixt und Jean-Remy von Matt getrennt. Beide sollten sagen, was die Marke nie verlieren darf. Laut Werner kam zweimal dieselbe Antwort: Nonkonformität. Seitdem gilt die Frage: Kann das auch ein Autohersteller machen? Wenn ja, lässt Sixt es.
Der Mut hat eine Bremse: das Geschäft. Laut Werner endet eine Kampagne immer mit dem Produktversprechen, etwa Cabrios zu einem guten Preis. Begeistern ist der Einstieg, verkaufen ist das Ziel.
„Unternehmerfamilie, das heißt, wir gucken uns auch wirklich jede Investition an, die wir machen.“
Eliah Werner, VP Brand SIXT
Wie unterscheiden sich Entscheidungswege bei Sixt und P&G?
Bei Sixt arbeitet Eliah Werner nach eigener Aussage direkt mit den Inhabern Alexander und Konstantin Sixt zusammen. Bei P&G gab es laut ihm noch die Stufen Band 5 bis Band 8, bis eine Entscheidung fiel. Kurze Entscheidungswege zu den Inhabern beschleunigen Entscheidungen und machen mutige Marken und Kampagnen möglich.
P&G ist laut Werner in vielem sehr gut. Er nennt es eine der besten Leadership- und Brand-Building-Schulen und ein System, das läuft. Ein neues System zu bauen, kommt dort selten vor.
Bei Sixt wächst die Firma laut Werner so stark, dass er immer fragen muss, welche Organisation er braucht. Auch die Budgets sind laut Werner bei P&G ganz anders. Sixt versucht deshalb, mit seinen Mitteln aufzufallen, und nimmt dafür kalkuliertes Risiko.
„Bei P&G gab's dann noch den Band 5, Band 6, Band 7, Band 8 und so, bis mal eine Entscheidung getroffen wurde.“
Eliah Werner, VP Brand SIXT
Was kannst du als Inhaber daraus für deine Führung mitnehmen?
Als Inhaber kannst du Mut gezielt aufbauen. Gib deinen Führungskräften Entscheidungsraum, erlaube Fehler und definiere eine klare Haltung für deine Marke. Prüfe jede Investition einzeln und halte die Wege zu dir kurz. So entsteht Mut in deinem Familienunternehmen als Ergebnis deiner Kultur und nicht als Zufall.
Werner stellt den Hörern am Ende eine Frage: Wann habt ihr zuletzt aktiv mehr Freiheit und Entscheidungsraum gegeben? Beginne dort. Wie du Aufgaben übergibst, zeigt dir der Beitrag zum Delegieren.
Freiheit braucht Spielregeln. Werner räumt ein, dass er einem jungen Mitarbeiter zu schnell zu viel Freiraum gab. Ein Führungsleitbild macht die Regeln für alle sichtbar.
Mut zahlt sich erst aus, wenn er umgesetzt wird. Unterstützung dafür findest du bei der Strategieumsetzung und im CEO Leadership Framework.
Fazit
Eliah Werner beschreibt am Beispiel Sixt, wie klare Erwartungen, kurze Entscheidungswege und Rückendeckung mutiges Handeln fördern können. Für dich als Inhaber oder Geschäftsführer stellt sich deshalb eine konkrete Frage: Wo kannst du deinem Team mehr Entscheidungsraum geben, und welche Spielregeln braucht es dafür?
Häufige Fragen
Wie können kurze Entscheidungswege mutiges Handeln unterstützen?
Eliah Werner beschreibt, dass er bei Sixt direkt mit den Inhabern zusammenarbeitet. Bei P&G erlebte er nach eigener Aussage mehrere Hierarchiestufen bis zur Entscheidung. Sein Vergleich gibt einen Anstoß, die eigenen Entscheidungswege zu prüfen. Er lässt sich nicht pauschal auf alle Familienunternehmen und Konzerne übertragen.
Was ist kalkuliertes Risiko in der Markenführung?
Kalkuliertes Risiko heißt, mutig zu sein und trotzdem jede Investition zu prüfen. Laut Eliah Werner fragt Sixt immer, ob eine Idee für Marke und Geschäft Sinn macht. Jede Kreation braucht am Ende das Produktversprechen, etwa Cabrios zu einem guten Preis.
Wofür steht die Marke Sixt?
Laut Eliah Werner steht Sixt für Bold, Fun und Premium. Bold heißt anders sein und auffallen, Fun heißt Menschen bewegen, Premium heißt, dass laut Werner über 60 Prozent der Autos Premium-Fahrzeuge sind. Diese drei Begriffe prägen Kommunikation und Personalauswahl.
Wie gibst du in deinem Unternehmen mehr Entscheidungsraum?
Beginne mit einer klaren Aufgabe und klaren Spielregeln. Laut Eliah Werner hilft Freiheit nur, wenn Menschen wissen, wo die Grenzen liegen. Bleib nah dran, wo jemand noch Führung braucht, und tritt zurück, wo er sie nicht mehr braucht. So wächst Verantwortung Schritt für Schritt.

